Im dritten Teil unserer Reihe mit Einblicken in die DMR Festschrift „Hören – Fühlen – Lieben: 70 Jahre Deutscher Musikrat“ steht das Kapitel „Unvergleichlich: die professionelle Musikszene“ im Fokus. Was macht die Szene in Deutschland so einzigartig und welche Aspekte geben Grund zur Besorgnis? Werden Studierende an Musikhochschulen gut genug auf den sich verschärfenden Arbeitsmarkt vorbereitet? Und welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf das professionelle Musikleben? Diesen und anderen Fragen gehen der Komponist Matthias Hornschuh und Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann, Vorsitzende der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen, in einem moderierten Gespräch nach. Die Corona-Zeit habe zwar „gezeigt, dass das professionelle Musikleben keine ausreichend tragfähigen Strukturen hat und zu wenig krisenfest ist“, stellt Hornschuh fest. Doch dies habe zumindest zu einem stärkeren Bewusstsein für die Nöte von Musiker*innen geführt, wie Rode-Breymann betont: „Gerade für den Bereich der Soloselbstständigen hat Corona die Augen geöffnet.“ Einig sind sich beide auch darin: Die verheerenden, traditionsreichen Bilder vom brotlosen Künstler oder vom „Armen Poeten“ müssen endgültig der Vergangenheit angehören. Denn Kulturarbeit ist Erwerbsarbeit. Einen Weg für die Zukunft sieht Hornschuh darin, dass der Schutz „des Individuums im Kollektiv“ liege, „und im Idealfall stellen wir unser individuelles Leistungsvermögen in den Sinn eines Ganzen.“
Dr. Anke Steinbeck skizziert in ihrem anschließenden Beitrag, wie sich künstlerische Berufsbilder über die Zeit verändern. Fakt sei: „Wer langfristig im Musikbetrieb bestehen möchte, muss sich den Gegebenheiten anpassen. Neben Talent und Fleiß bedarf es heute auch eines guten Selbstmanagements, Kenntnisse zum Beispiel im Antragswesen und Steuerrecht und einer Präsenz in den sozialen Medien“. Daher tragen auch die Projekte des DMR, etwa das PopCamp und das Forum Dirigieren, in ihrer Förderpraxis diesen sich verändernden Ansprüchen an Künstler*innen Rechnung, wie Steinbeck aufzeigt.
Die ganzen Beiträge zum Nachlesen gibt es hier zur Online-Lektüre und hier zum Download.
