Der Deutsche Musikrat trauert um Prof. Dr. Christine Siegert

Die am 24. April 1971 geborene Musikwissenschaftlerin, Hochschulprofessorin und Leiterin des Bonner Beethoven-Archivs wurde am 3. August 2026 mit erst 55 Jahren nach schwerer Krankheit aus dem Leben gerissen. Zu den zahlreichen Ehrenämtern der Musikforscherin gehörte auch die Mitgliedschaft im Präsidium des Deutschen Musikrats.

Der Deutsche Musikrat trauert um den Verlust dieser wichtigen Stimme in seinen Reihen. Christine Siegert vertrat als Präsidentin des Landesmusikrats Nordrhein-Westfalen und als Vorsitzende der Konferenz der Landesmusikräte die Bundesländer im Präsidium.

Prof. Lydia Grün, Präsidentin des Deutschen Musikrats: „Das Musikleben in Deutschland und der Deutsche Musikrat verlieren mit Prof. Dr. Christine Siegert eine Mitstreiterin, Wissenschaftlerin und engagierte Musikliebhaberin. Sie war im Kreis unseres Präsidiums ein Mitglied mit präzisem Blick und starker Haltung für alle Facetten des Musiklebens, verbunden mit rhetorischer Leidenschaft, hoher Fachkompetenz und passioniertem Verständnis für den Diskurs. Sie verstand sich als Stimme der Landesmusikräte, die sie als Vorsitzende der Konferenz der Landesmusikräte jederzeit – bereits gezeichnet von ihrer schweren Krankheit – mit all ihr zur Verfügung stehenden Kraft einbrachte. Prof. Dr. Christine Siegert war wissenschaftsbasiertes Arbeiten, vor allem auch im politischen Raum, fundamental wichtig. Wir verdanken ihr unter anderem die Initiative und Gründung des Bundesfachausschusses Musikforschung; ein Vermächtnis, das uns alle in die Verantwortung nimmt. Ihr Wirken für das Musikleben in Deutschland und als Mensch wird uns sehr fehlen.“

Weitere Ehrenämter der Verstorbenen waren der langjährige Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte bis 2025. Seit 2024 war sie Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats des Staatlichen Instituts für Musikforschung (SIM) in Berlin, außerdem wirkte sie als Mitglied im Beirat des Deutschen Musikinformationszentrums (miz), im Bundesfachausschuss Musikwissenschaft des Deutschen Musikrats und im Direktorium der IMS (International Musicological Society) mit.
Siegert studierte Schulmusik, Musikwissenschaft, Romanistik und Philosophie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und an der Université de Picardie Jules Verne in Amiens. 2003 wurde sie in Hannover mit einer Arbeit über Luigi Cherubini promoviert und war anschließend wissenschaftliche Mitarbeiterin des Joseph-Haydn-Instituts in Köln. 2010 wurde sie Juniorprofessorin an der Universität der Künste Berlin. Seit 2015 hatte sie die Leitung des Bonner Beethoven-Archivs inne und war in dieser Funktion für die wissenschaftliche Arbeit des Hauses verantwortlich.

Der Deutsche Musikrat spricht allen Angehörigen, Freund:innen, Kolleg:innen und Wegbegleiter:innen sein tief empfundenes Beileid aus. Die großen Leistungen von Christine Siegert werden unvergessen bleiben.

Stimmen aus dem Präsidium und dem Generalsekretariat:

Die Vizepräsidentin des Deutschen Musikrats und Präsidentin des Landtags Brandenburg, Prof. Dr. Ulrike Liedtke, Direktorin der Musikakademie Rheinsberg a.D., hierzu: „Auf dem Spielplan des Schlosstheaters Rheinsberg stand Cherubinis ‚Wasserträger‘, ein Revolutionsstück. Die Noten sollen bei Beethoven auf dem Flügel gelegen haben, als er den ‚Fidelio‘ komponierte. Die junge Musikwissenschaftlerin Christine Siegert führte in die Oper ein, Cherubini galt ihre Doktorarbeit, sie wusste bestens Bescheid. Ihr Weg führte direkt zum Beethoven-Archiv – forschen, veröffentlichen, Noten herausgeben. Es ist so traurig, dass Christine Siegert das nicht fortsetzen kann, nicht mehr die Konferenz der Landesmusikräte leitet und im Präsidium des Deutschen Musikrates mitdenkt. Sie und ihr Wissen fehlen.“

Prof. Dr. Jürgen Oberschmidt, Vizepräsident des Deutschen Musikrats und Studienkollege von Christine Siegert: „Manche Wege trennen sich, doch ihre Melodie bleibt. Aus den Tagen unseres gemeinsamen Studiums in Hannover blieb immer eine leise Verbundenheit. In den letzten Jahren führten uns die gemeinsamen Aktivitäten im Deutschen Musikrat wieder näher zusammen; hier konnten viele gemeinsame Erinnerungen neu aufleben. Nun ist eine Stimme verstummt – doch was sie berührt hat, wird in der Erinnerung weiterklingen.“

Dr. Charlotte Seither, Präsidiumsmitglied des Deutschen Musikrats: „Christine Siegert war Wissenschaftlerin durch und durch, mit unbeugsamem Ethos in der Sache, verantwortungsstark, klar und enorm verlässlich. Dabei hat sie stets für das Ganze mitgedacht und den konstruktiven Dialog aufgesucht. Sie verfügte über einen ganz eigenen blitzklugen Humor. Ihre enorme Kompetenz, ihre Gestaltkraft, ihr feines Lachen wird uns fehlen.“

Antje Valentin, Generalsekretärin des Deutschen Musikrats: „Ihr großes sowohl berufliches als auch ehrenamtliches Engagement für die Musik und insbesondere die Musikforschung, ihre unbestechliche Haltung, ihre ruhige und überlegte Vorgehensweise und ihr herzliches Wesen sind ein großer Verlust für das bundesweite Musikleben.“


Berlin, 6. August 2026
 

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