Im Wandel der Zeit | Heilbronn
13.03.2027 |
Johannes Brahms
Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen?
(op. 74/1)
Herbert Howells
Requiem aeternam
Jonathan Dove
The Passing of the Year:
I. Invocation
II. The narrow bud opens her beauties to the sun
Sven-David Sandström
Tropfen von taufeuchten Zweigen
Jonathan Dove
The Passing of the Year: III. Answer July
Esa-Pekka Salonen
Dichotomie: II. Organisme
Jonathan Dove
The Passing of the Year:
IV. Hot sun, cool fire
V. Ah, Sun-flower!
Anne Boyd
As I crossed a bridge of dreams
Gideon Klein
Sonate für Klavier: I. Allegro con fuoco
NN
Auftragskomposition: tba
Jonathan Dove
The Passing of the Year:
VI. Adieu! Farewell earth’s bliss!
Knut Nystedt
Be not afraid
Jonathan Dove
The Passing of the Year:
VII. Ring out, wild bells
Die alten Griechen unterschieden zwei Arten von Zeit: die menschengemachte, messbare chronos und die natürliche, erlebte Zeit, die sich im Rhythmus der Natur entfaltet. Während Tage, Monate und Jahre in einer ewigen Wiederkehr zyklisch verlaufen, vollzieht sich unsere eigene Lebensreise unweigerlich linear. Je älter wir werden, desto stärker tritt der Rückblick in den Vordergrund. Erfahrungen sammeln sich an, Erinnerungen formen unser Selbst, und in diesem Wechselspiel aus Vorwärtsgehen und Zurückschauen verändert sich auch unser ganz persönliches Zeitempfinden.
Gleichzeitig bleibt der durch die Natur vorgegebene Zyklus ein unverzichtbarer Kompass für unser inneres Zeitgefühl. Er strukturiert unsere Wahrnehmung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und verankert sie in vertrauten Abläufen: dem Wechsel der Jahreszeiten, dem täglichen Licht und Dunkel, dem Wiederholen von Festen und Ritualen.
Wir beginnen dieses Konzert mit dem Ende, dem Lebensende. Brahms stellt mit seiner Motette Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen? eine existenzielle Frage nach dem Sinn des Lebens, eröffnet damit die grundlegende Perspektive auf die menschliche Zeit und schließt mit den Worten „Der Tod ist mir Schlaf worden“, welche in eine Requiem-Vertonung von Herbert Howells übergehen.
Aus der Stille des Requiems erwächst ein neuer Anfang: Mit Jonathan Doves The Passing of the Year treten wir in den Kreislauf der Jahreszeiten ein: „O Earth, return!“. Mit vertonten Gedichten von William Blake, Emily Dickinson, George Peele, Thomas Nashe und Alfred Lord Tennyson beschreibt Dove in sieben Sätzen den Jahreslauf vom Aufblühen des Frühlings und der sich belebenden Natur über die triumphale Ankunft des Sommers mit all seiner Schönheit und schwülen Hitze bis hin zur herbstlichen Vergänglichkeit und schließlich zur winterlichen Silvesternacht, in der das neue Jahr feierlich eingeläutet wird. Beim genaueren Hinhören offenbart sich allerdings noch eine zweite, tiefere Ebene der Komposition: Nicht nur der Wandel der Jahreszeiten wird hier besungen, es ist das Leben selbst in all seinen Facetten, mit seinen allumfassenden Erfahrungen von Liebe und Lust, von Trauer und Tod, das hier verhandelt wird.
Diese Gedanken vertiefen wir mit weiteren zeitgenössischen Kompositionen. Sven-David Sandströms Tropfen von taufeuchten Zweigen zeichnet ein filigranes Klangbild des Morgens und der erwachenden Natur. In Esa-Pekka Salonens Organisme wird Wachstum selbst zum musikalischen Prinzip, indem alle Abschnitte organisch ineinander übergehen und kontinuierlich wachsen. Salonen hatte tatsächlich eine Metapher im Sinn: „Ein Baum, nicht ein riesiger, sondern eher eine schlanke Weide, die sich anmutig im Wind bewegt, aber immer wieder zu ihrer ursprünglichen Form und Position zurückkehrt.“
Anne Boyds As I crossed a bridge of dreams führt uns weit zurück in das 11. Jahrhundert und in eine verträumte, poetische Zwischenwelt. Vergangenheit und Gegenwart überlagern sich hier, als würde die Zeit für einen Moment stehenbleiben.
Besonders eindringlich wird das Zeitempfinden bei der Klaviersonate von Gideon Klein, welche im Konzentrationslager Theresienstadt entstanden ist. In einer Situation, in der Zukunft kaum mehr vorstellbar war, wird Musik zur Botschaft innerer Freiheit und menschlicher Würde.
Am Ende des Konzertes richtet sich der Blick wieder in die Zukunft. Knut Nystedts Be not afraid spricht von Vertrauen und Zuversicht, während Jonathan Doves abschließender Satz Ring out, wild bells symbolisch das alte Jahr verabschiedet und das neue begrüßt.
Bundesjugendchor
Markus Syperek Klavier
Justus Barleben Leitung
Wann?
13.03.2027
Wo?
Heilbronn
Art der Veranstaltung
Konzert
Geeignet für
Alle Altersklassen