Podium Gegenwart | Deutscher Musikrat präsentiert mit dem jüngsten Porträt der Edition Zeitgenössische Musik (EZM), „Selected Works“, die erste monografische Veröffentlichung von Anda Kryeziu. Die in Berlin lebende Komponistin, Performerin und intermediale Künstlerin vereint auf dem Album konzeptuelle Stringenz mit stilistischer und kompositorischer Vielfalt. In einem Porträtfilm erläutert Anda Kryeziu ihre Kompositionspraxis. Die Aufnahmen sind auf allen gängigen Streaming-Diensten sowie erstmals auch auf Bandcamp verfügbar und werden durch ein Print-Booklet ergänzt.
Wie komponiert man eigentlich im 21. Jahrhundert? Sind die klanglichen Extreme und die technologischen Möglichkeiten bereits ausgeschöpft und die Grenzen zwischen den Künsten endgültig verschwommen? Diese Fragen nimmt Bookletautor Jaronas Scheurer als Ausgangspunkt für sein Essay und identifiziert die 1993 im Kosovo geborene Komponistin als jemanden, die dem Zeitgeist entsprechende Antworten findet. Jedes ihrer Werke entspringt einer zentralen Idee, aus der sich alles Weitere ergibt. So fällt die Wahl des Formats und der künstlerischen Mittel stets anders aus.
Die fünf Stücke des Albums reichen von konventionell instrumentierter, akustischer Kammermusik bis hin zu installativen, immersiven Formaten, vom Instrumentalsolo mit geschickt eingesetzter Elektronik bis hin zur Oper. In „co–“ verzahnen sich Instrumentalklang und Video collageartig. In „Kreiswanderung im Raum“ erzeugt der Perkussionist Víctor Barceló durch kleine Lavalier-Mikrofone scheinbar magisch mit Handgesten Klänge auf Gong und Tamtam. Das Ensemblewerk „Infuse: Playtime“, interpretiert vom Ensemble Recherche, besinnt sich auf kompositorische Grundlagen und seziert die Instrumente akustisch. Mit der Oper „Persona“ sowie der Konzertinstallation „Tilde [~]“ sind zwei besondere Formate auf dem Album vertreten. „Persona“ überträgt Ingmar Bergmans Filmklassiker „Persona“ von 1966 auf die Bühne. Kryeziu wechselt zwischen verschiedenen Genres, elektroakustischen Techniken und kompositorischen Ansätzen, um die Handlung und vor allem das nicht Gesagte zu verdeutlichen. „Tilde [~]“ schließlich wurde vom Ensemble Modern aufgenommen und setzt sich mit dessen Archiv auseinander. Das Stück öffnet einen immersiven Raum zwischen Erinnerung und Wahrnehmung und verbindet Instrumentalmusik mit Live-Elektronik, Videoprojektion, Lichtinstallation und Objekten.
Anda Kryeziu studierte Komposition bei Dieter Ammann und Caspar Johannes Walter in der Schweiz sowie Daniel Ott und Wolfgang Heiniger in Berlin.
Mit den Porträts der Edition Zeitgenössische Musik, die seit 1986 als CDs beim Label Wergo und seit Kurzem auch als Online-Veröffentlichung plus Print-Booklet veröffentlicht werden, fördert Podium Gegenwart aufstrebende Komponist:innen mit einer musikalischen Visitenkarte.
Weitere Veröffentlichungen der Edition Zeitgenössische Musik auf der Website von Podium Gegenwart: https://www.podium-gegenwart.de/edition-zeitgenoessische-musik
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