Musik als Zukunftskraft: Gegen den Abbau des Kulturlebens!

Abschluss-Statement der Tagung der Musikräte Deutschlands, Österreichs und der Schweiz in Appenzell

V.l.n.r.: Yvonne Glur-Troxler (Vizepräsidentin SMR), Thomas Wiederkehr (Geschäftsführer SMR), Dr. Harald Huber (Vizepräsident ÖMR), Prof. Martin Maria Krüger (Präsident DMR), Antje Valentin (Generalsekretärin DMR), Günther Wildner (Generalsekretär ÖMR) und Eva-Maria Bauer (Präsidentin ÖMR) © DMR

Am 29. und 30. September 2025 trafen sich die Spitzen der nationalen Musikräte von Deutschland, Österreich und der Schweiz (D-A-CH) zu ihrer jährlichen Klausurtagung, um länderübergreifende Themen der Musikpolitik zu diskutieren. Gemeinsam stellen sie fest:

Musik ist Lebensnerv und Zukunftsressource. Sie verbindet Menschen über Grenzen hinweg, fördert demokratische Teilhabe und ist ein bedeutender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Faktor. Doch stehen die Rahmenbedingungen unter Druck: Abbau von Bildungsstrukturen, pauschale Sparvorgaben, digitale Marktverzerrungen und politisch motivierte Einschränkungen kultureller Vielfalt gefährden die Breite und Qualität des Musiklebens.

Musikalische Bildung
Alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen haben ein Recht auf hochwertigen Musikunterricht. Wir sehen mit Sorge, dass musikalische Bildungsangebote geschwächt werden und Übergänge zwischen Schule, Musikschule, Hochschule und Praxis unsicher sind. Wir fordern eine nachhaltige Stärkung musikalischer Bildung mit klaren Qualitätsstandards, guter personeller Ausstattung, verlässlicher Talentförderung und Zugänglichkeit für alle – unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Wohnort.

Kulturelle Vielfalt und Demokratie
Zum 20-jährigen Jubiläum der UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt erinnern wir daran: Vielfalt ist ein Kernwert unserer Gesellschaft. Politische Instrumentalisierungen von Musik und die Diskriminierung bestimmter Genres lehnen wir entschieden ab. Die Musikräte stehen für die Förderung aller Stilrichtungen und die freie, unabhängige Entfaltung künstlerischer Ausdrucksformen.

Musikwirtschaft und faire Bedingungen
Musik ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Digitale Märkte müssen fair gestaltet werden: durch transparente Algorithmen, hochwertige Metadaten, mehr Sichtbarkeit lokaler Repertoires und faire Vergütungsregeln für Musikschaffende. Wir unterstützen Strategien, die den Musikstandort stärken, Honoraruntergrenzen absichern und faire Wettbewerbsbedingungen auch im Zeitalter von Streaming und Künstlicher Intelligenz schaffen.

Öffentlich-rechtliche Medien
Öffentlich-rechtliche Sender tragen eine zentrale Verantwortung für kulturelle Vielfalt, regionale Sichtbarkeit und den Zugang zu Musik. Eine Schwächung, insbesondere durch Mittelkürzungen, hat gravierende Folgen für kulturelle Infrastruktur, Sprachvielfalt und Nachwuchsförderung. Wir fordern starke Öffentlich-rechtliche Medien mit klaren Kulturaufträgen und verbindlicher Präsenz heimischer Musik, sowie den Erhalt des Senders 3sat.

Musik, Gesundheit und Zusammenhalt
Musik wirkt nachweislich gesundheitsfördernd – sei es bei Erkrankungen wie Demenz, in der Prävention oder im sozialen Miteinander – und ist therapeutisch wirksam. Die Potenziale von Musik im Gesundheitswesen, in der Inklusion und in der Daseinsvorsorge gilt es zu erkennen, auszubauen und institutionell zu verankern.

Europäische Zusammenarbeit
Künstlerischer Austausch und Mobilität sind Grundpfeiler eines lebendigen Musiklebens. Wir fordern eine gleichwertige Teilnahme der Schweiz an europäischen Kulturprogrammen. Gerade in Zeiten zunehmender politischer Abschottung setzen wir auf Vernetzung, Kooperation und offene Grenzen für die Kunst.

Schlussfolgerung
Kunst und Kultur sind keine Subventionsempfänger, sondern Investitionen in die Zukunft. Wir rufen Politik und Gesellschaft auf, die Strukturen der musikalischen Bildung, die Vielfalt der Musik und die Rahmenbedingungen der Musikwirtschaft nachhaltig zu sichern. Musik ist keine Nebensache, sondern eine zentrale Ressource für Demokratie, Zusammenhalt und Lebensqualität in Europa.

Berlin, 1. Oktober 2025

Ich bin ...

Musiker*innen können in den Ensembles des Deutschen Musikrates mitsingen oder mitspielen, dem Bundesjugendorchester, dem Bundesjazzorchester und dem Bundesjugendchor, an Wettbewerben teilnehmen. Mit vier weiteren Projekten im Bereich Förderung unterstützt der Deutsche Musikrat junge hochtalentierte Musiker*innen, Dirigent*innen, Komponist*innen und Interpret*innen zeitgenössischer Musik sowie Popmusiker*innen auf ihrem Weg in ein professionelles Musikerleben und schlägt eine Brücke zwischen Musiker*innen, Veranstalter*innen und Publikum. Zudem bietet das Deutsche Musikinformationszentrum (miz) eine zentrale Informationsstelle zu allen Themen des Musiklebens.

 

 

Der Deutsche Musikrat ist Träger der Wettbewerbe für Kinder und Jugendliche: Jugend musiziert und Jugend jazzt, der Wettbewerbe für professionelle Musiker*innen: dem Deutschen Musikwettbewerb, dem German Conducting Award (ehem. Deutscher Dirigentenpries) sowie dem Deutschen Chordirigent*innenpreis sowie den Wettbewerben für Amateurmusiker*innen: dem Deutschen Chorwettbewerb und dem Deutschen Orchesterwettbewerb.

Der Deutsche Musikrat e. V. ist Sprachrohr und Impulsgeber musikpolitischer Themen für seine Mitglieder.

Die zahlreichen Vorteile einer Mitgliedschaft im Deutschen Musikrat e.V. für Sie zusammengestellt. 

Unter derm Menüpunkt MEDIA finden Sie unsere Presseseite mit allen aktuellen Meldungen, unsere Presseseite mit den Pressekontakten und die Publikationen.

Zur Förderung der jungen Musiker*innen und Musiker in den Ensembles des Deutschen Musikrates gehört auch das Konzertieren auf der Bühne vor Publikum. Anfragen für Engagaments nehmen die Projektletiter*innen gern entgegen. Durch die Konzertförderung Deutscher Musikwettbewerb werden im Jahr ca. 200 Konzerte an Konzertveranstalter und Konzertreihen vermittelt.

Musikpädagog*innen finden Konzepte und Arbeitsmaterialien für den Musikunterricht bei den Vermittlungsprojekten des Podium Gegenwart. Aktuelle musikpolitische Entwicklungen und Studien finden sich im Themenbereich „Musikalische Bildung“ sowie Fachbeiträge dazu beim Deutschen Musikinformationszentrum.

Mit dem Deutschen Musikinformationszentrum bietet der Deutsche Musikrat eine zentrale Informationsstelle zu allen Themen des Musiklebens.