Der Deutsche Musikrat akzentuiert anlässlich des UNESCO-Welttags der Kulturellen Vielfalt am 21. Mai in einem neuen Positionspapier die Chancen, die in der Förderung Kultureller Vielfalt für Musikleben und Gesellschaft liegen – und zeigt auf, wo es Nachholbedarf gibt.
Prof. Lydia Grün, Präsidentin des Deutschen Musikrats, unterstreicht: „Kulturelle Vielfalt ist eine zentrale Zukunftsfrage des Musiklebens in Deutschland. Die Vielfalt der Musikkulturen ist eine Bereicherung und Stärke unserer Gesellschaft – dies muss sich in Förderung, Ausbildung und internationalem Austausch widerspiegeln. Mit unserem Positionspapier setzen wir hierfür ein klares Zeichen.“
Im Positionspapier „Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in Deutschland anerkennen und fördern“ fordert der Deutsche Musikrat:
1. Die Vielfalt musikalischer Ausdrucksformen muss sowohl im professionellen als auch im Amateurbereich stärker anerkannt, gefördert und wertgeschätzt werden.
Zum einen sollte bei Förderungen durch die öffentliche Hand das musikalische Leben in Deutschland in seiner gesamten Breite stärker als kultureller Reichtum begriffen und repräsentiert werden. Dies betrifft konkret die Besetzung und die Arbeit von Findungskommissionen, Jurys und Auswahlkomitees für Institutionen, Förderprogramme, internationalen Austausch, Forschungsfinanzierung und künstlerische Mobilität. Zum anderen sollen hierbei Kriterien Anwendung finden, die der systemischen Benachteiligung und damit einhergehender Diskriminierung in Bildungs- und Kultureinrichtungen entgegenwirken und eine geschichts-, gender- und herkunftssensible Umgangsweise unterstützen.
2. Die Ausbildung, Fort- und Weiterbildung muss stärker vernetzt und die Vielfalt existierender Musikkulturen als Chance genutzt werden.
Denn die Anerkennung vielfältiger künstlerischer, pädagogischer und wissenschaftlicher Exzellenz im Musikbereich, die Öffnung von Curricula und eine entsprechende Weiterentwicklung des Lehrpersonals tragen wesentlich zu einem zukunftsfähigen Musikleben in Deutschland bei. Hierzu gehört die Einbeziehung von Forschungsergebnissen zu vielfältigen musikkulturellen Praktiken ebenso wie eine umfassende Anerkennung musikbezogener internationaler Studienabschlüsse. Auch auf diese Weise kann dem anhaltenden und in den kommenden Jahren sich dramatisch steigernden Nachwuchsmangel für qualifizierten Musikunterricht und musikbezogene soziokulturelle Arbeit proaktiv begegnet werden.
3. Die Mobilität von internationaler Kulturarbeit muss ermöglicht werden.
Die Fair Culture Charta der UNESCO sieht besonderen Handlungsbedarf bei erschwerten Einreiseregelungen, die einem nachhaltigen globalen künstlerischen Austausch erheblich erschweren. Ergänzend zu den unverzichtbaren Unterstützungsprogrammen für Verfolgte und Vertriebene in Musik, Kunst, Kultur, Bildung und Wissenschaft sollte Kulturpolitik Kulturelle Vielfalt und internationale Mobilität als untrennbar miteinander verbunden begreifen und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen – in enger Abstimmung mit den deutschen Kulturinstituten im Ausland (z. B. den Goethe Instituten).
Am 21. Mai 2026 findet erstmals auch der bundesweite Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt statt. Ausgerufen wird er von den 28 Mitgliedern der Initiative kulturelle Integration beim Deutschen Kulturrat – einem Bündnis von Vertreterinnen und Vertretern der Sozialpartner, Religionsgemeinschaften, Medien, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft. Zahlreiche bundesweite Aktionen von Organisationen, Bündnissen oder Einzelpersonen setzen Zeichen für den Zusammenhalt in unserer freien und pluralen Gesellschaft. Der Deutsche Musikrat bildet die Sektion Musik im Deutschen Kulturrat.
Berlin, 21. Mai 2026
