Musikpolitik

Laienmusizieren

Mit schätzungsweise sieben Millionen musizierender und singender Menschen ist das Laienmusizieren eine der größten Bewegungen des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland. Ohne das vokale und instrumentale Laienmusizieren würden bedeutende musikalische Werke der Vergangenheit und der Gegenwart nur selten für viele Menschen unmittelbar und live erfahrbar werden, denn die Aufführungen in ihrer großen Anzahl und Qualität wären nicht bezahlbar.

Astrid Reimers, "Laienmusizieren"

Resolution "Zukunft Musik: Laienmusizieren in Deutschland"

Die Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrates übergab am 20. Oktober 2006 die Resolution „Zukunft Musik: Laienmusizieren in Deutschland“ den  kulturpolitischen Sprechern der im Bundestag vertretenen Parteien Wolfgang Börnsen (CDU), Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), Monika Griefahn (SPD), Dr. Lukrezia Jochimsen (Die Linke.PDS) und Christoph Waitz (FDP).

Zukunft Musik: Laienmusizieren in Deutschland

Lebendiges Musikleben in einer werteorientierten Gesellschaft

Resolution der Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrates 2006

Deutschland zeichnet sich durch ein noch immer vielfältiges und hochwertiges Musikleben aus. Das Laienmusizieren ist ein Fundament dieses lebendigen Musiklebens und Teil eines Netzwerkes, das in alle Bereiche gesellschaftlichen Lebens hineinwirkt. Für viele Bürgerinnen und Bürger, gleich welcher sozialen oder ethnischen Herkunft, ist das Musizieren und das Erleben von Musik in unterschiedlichsten Stilrichtungen ein unverzichtbarer Teil ihres Lebens. Durch das Laienmusizieren eröffnen sich im Dialog der Kulturen und der Generationen Begegnungswelten, die  Voraussetzung für eine humane Gesellschaft von heute und morgen sind. 

 
Die rund 7 Millionen Menschen, die sich für das Musikland Deutschland ehrenamtlich engagieren, zeigen damit ein hohes Maß an Motivation, Identifikation und Mitverantwortung für die Zukunft unserer Gesellschaft. Mit ihrem Bürgerschaftlichen Engagement für ein lebendiges Musikleben sind sie für die professionellen Orchester und Musiktheater genauso von grundlegender Bedeutung wie für die Kreativwirtschaft und die Einrichtungen der schulischen und außerschulischen Bildung.
 
Die Laienmusikszene bildet die sichtbare Spitze eines Kreativitätspotentials. Sie droht zu zerfallen, wenn nicht dem Ausfall und dem Zurückdrängen von Musikunterricht in der Schule oder kürzungsbedingt verschlossene Musikschultüren endlich wirksam gegengesteuert wird. Diese Kreativitätspotentiale gilt es im Sinne des 2. Berliner Appells des Deutschen Musikrates zu entdecken, weiter zu entwickeln und zu  fördern, weil sie eine der grundlegenden Voraussetzungen für den Weg Deutschlands in eine Wissens- und Kreativgesellschaft sind. 
 
Die Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrates fordert den Deutschen Bundestag, die Bundesregierung, die Länder und die Kommunen auf, eine nachhaltige Trendwende in der Kreativitätsförderung einzuleiten und damit auch die Rahmenbedingungen für das Laienmusizieren in Deutschland deutlich zu verbessern. Neben den ordnungspolitischen Maßnahmen gehört dazu die eindeutige Prioritätensetzung, mehr Haushaltsmittel in nachhaltige Strukturen des Laienmusizierens und der musikalischen Bildung zu investieren.

Dazu gehören u.a.:

  •  Die spürbare Entbürokratisierung in allen das Laienmusizieren betreffenden Regelungsgebieten
  • Die Verschlankung des Zuwendungsrechts durch die durchgängige Einführung der Festbetragsfinanzierung und die Einführung einer Bagatellgrenze, die die Anzahl der Vorschriften reduzieren würde
  • Vereinfachte Regelungen zur Erlangung der  Gemeinnützigkeit für kleinere Vereine
  • Anerkennung von Mitgliedsbeiträgen als steuerabzugsfähige Ausgaben 
  • Anpassung der Bemessung der Übungsleiterpauschale an die Lebenshaltungskosten und Erhöhung auf derzeit mindestens € 2.454,- 
  • Eine vereinfachte Steuererklärung, die bis zu einer noch zu vereinbarenden Gewinngrenze von der Körperschaftssteuer befreit
  • Die Initiierung und Finanzierung von Pilotprojekten des Bundes, die als Impulsgeber in die Länder und Kommunen hineinwirken
  • Die stärkere Einbindung der Laienmusikensembles in die Auswärtige Kulturpolitik im Sinne eines verstärkten Dialoges der Kulturen
  • Eine Anerkennungskultur Bürgerschaftlichen Engagements, die sich über Symbole hinaus in der wirksamen Verbesserung der Rahmenbedingungen des Laienmusizierens ausdrückt
  • Eine durchgängige musikalische Bildung in Kindergarten, Schule und außerschulischen Bildungs- und Kultureinrichtungen, die Musik vermitteln


Berlin, 21. Oktober 2006