Musikpolitik

Kulturradio im Diskurs

Alle, die sich mit Hochkultur beschäftigen, müssen versuchen, auch ein nachwachsendes Publikum zu bekommen, ohne die, die mit dem Angebot zufrieden sind, zu verlieren. Kultur ist ein Wert an sich und muss sich nicht in Euro und Cent messen.

Monika Piel, WDR-Intendantin. Quelle: WDR.de

Die Zukunft der Kultur im Radio

Welche Perspektiven hat die Kultur im Internet, im Radio, im Fernsehen, im Museum, auf der Bühne oder Leinwand und in den Köpfen der Menschen? Zum Thema „Die Zukunft der Kultur im Radio“ hat der Westdeutsche Rundfunk in der Reihe WDR=Kultur=Gut in Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur am Donnerstag, 14. Juni 2012 in der Mercatorhalle in Duisburg eine Podiumsdiskussion unter Einbeziehung des Publikums veranstaltet.

Auf dem Podium diskutierten Monika Piel, Intendantin des WDR, Andreas Weber, Programmdirektor von Deutschlandradio, Prof. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates, und Henry C. Brinker, Journalist und Kulturmanager, und Mercedes Bunz, Medienexpertin. Die Moderation hatte Uwe Schulz inne.

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Welchen Platz hat welches Kulturradio?

Mit dem Titel „Schöne neue Medienwelt: Welchen Platz hat welches Kulturradio?“ fand am 19. Juni 2012 im Rahmen des 24. Medienforums.NRW eine Podiumsdiskussion zur Zukunft des Kulturradios im öffentlich-rechtlichen Rundfunk statt. Nach einem Impulsreferat von Prof. Dietrich Leder, Autor und Medienwissenschaftler, diskutierten Ruth Hieronymi, Vorsitzende des WDR Rundfunkrates, Prof. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates und Vizepräsident des Europäischen Musikrates, Prof. Dietrich Leder, Autor und Medienwissenschaftler, Prof. Richard David Precht, Philosoph und Autor, Volker Schaeffer, Leiter der Programmgruppe Aktuelle Kultur beim WDR-Hörfunk, Dr. Matthias Sträßner, Leiter der Hauptabteilung Kultur beim Deutschlandfunk, und Karin S. Wolfrum, Leiterin Medienpolitik / Reichweitenentwicklung bei Klassik Radio. Moderiert wurde die Diskussion von Steffen Grimberg, Journalist.

Prof. Christian Höppner appellierte, die Rückwärtsgewandtheit der Diskussion aufzugeben und die Energien stattdessen für eine Zukunftsdebatte zu nutzen. Die strategischen Überlegungen zur Stärkung und besseren Vernetzung des Kulturradios im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sollten dabei im Vordergrund stehen. „Das Alleinstellungsmerkmal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, in einer fragmentierten Medienlandschaft Orientierung zu geben, und dessen Möglichkeiten werden bei weitem nicht ausgeschöpft“, so Höppner. Er forderte die Programmverantwortlichen auf, die UNESCO-Konvention zur Kulturellen Vielfalt offensiv für die kultur- und medienpolitische Arbeit vor Ort zu nutzen. „Die inhaltliche Bandbreite der drei Grundsäulen der UNESCO-Konvention ist eine hervorragende Handlungsgrundlage für die Argumentation um eine bessere Platzierung und Vernetzung kultureller Inhalte innerhalb der Programme.“

Wort versus Musik

Der Intendant von Deutschlandradio, Willi Steul, hat in einem Leitartikel des Magazins „Funkkorrespondenz“ Anfang Mai 2012 im Zuge von Sparmaßnahmen die Einführung einer „Deutschlandfunk-Wortnacht“ angekündigt. Anstelle des derzeitigen musikalischen Nachtprogrammes sollen zukünftig ausschließlich Wortbeiträge gesendet werden. Die konkrete Ausgestaltung der „Deutschlandfunk-Wortnacht“ sei jedoch noch offen und werde in den kommenden Monaten erarbeitet.

Hierzu Prof. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates: „Im Umfeld der Diskussionen zum ‚Kulturinfarkt‘ und zur Fusion der SWR Klangkörper rüttelt Steul mit seinem Vorschlag an den Grundfesten des Bildungs- und Kulturauftrages des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Mit Einführung der ‚Deutschlandfunk-Wortnacht‘ würden 7x4 Stunden Musik pro Woche entfallen, die weder im restlichen Programm von Deutschlandfunk noch beim Schwesterprogramm Deutschlandradio Kultur annähernd kompensiert werden könnten.
Ein reines nächtliches Wortprogramm ist kein Alleinstellungsmerkmal von Deutschlandradio und zudem nicht besonders attraktiv für den Hörer: Bei den vielfältigen Informationsmöglichkeiten in Print- und Online-Medien, z.B. auch durch On-Demand-Nutzung, ist ein verstärkter Nutzerbedarf für den Ausbau des Wortprogrammes nicht erkennbar. Da Deutschlandradio im Premiumsektor der Qualitätssender kein Wiederholsender ist, sondern auf Aktualität setzen muss, würden zudem bei der Einführung einer Wortnacht zusätzliche Kosten entstehen.
Nicht zuletzt die vier Klangkörper von Deutschlandradio, die in der Rundfunk Orchester und Chöre GmbH Berlin organisiert sind, wären durch den Wegfall von Sendeplätzen in ihrer Legitimation gefährdet.

Deutschlandradio ist mit seinen Programmen Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur ein Solitär in der bundesweiten Rundfunklandschaft und genießt zu Recht aufgrund der hohen Qualität ein hohes Ansehen. Diese Alleinstellungsposition darf nicht durch kurzsichtige und vermeintliche Programmprofilierungen riskiert werden. Der Deutsche Musikrat appelliert an den Intendanten von Deutschlandradio, die Neuaufstellung der Programmstruktur nicht zu Lasten des musikalischen Angebotes für den Hörer zu implementieren. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist unverzichtbarer Bestandteil der Kulturellen Vielfalt im Musikland Deutschland.“