Musikpolitik

Klangkörper

„Die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft ist in ihrer Dichte und Vielfalt weltweit nach wie vor einzigartig. Und wenn Deutschland auch in anderen Bereichen, z. B. bei einzelnen Forschungs- und Wissenschaftszweigen oder im Bereich der Bildungspolitik längst ursprünglich vorhandene Führungspositionen verloren haben mag, das Bild der 'Kulturnation' Deutschland ist im Verständnis des Auslands immer noch stark ausgeprägt.”

Fusion der SWR Klangkörper

162 Dirigenten und 149 Komponisten haben sich im November 2013 öffentlich gegen die Fusion des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart gewehrt. In zwei Offenen Briefen an den Intendanten des SWR, Peter Boudgoust, fordern die Dirigenten und Komponisten eindringlich dazu auf, das Weltklasseorchester als eigenständigen Klangkörper zu erhalten.

Die kompletten Briefe finden Sie unter folgenden Links:

"Vor allem Kultur!" - Offener Brief der Dirigenten
"Not in our Name!" - Offener Brief der Komponisten

Prof. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates, sprach zu den Offenen Briefen mit Christoph Schmitz vom Deutschlandfunk und betonte unter anderem: „Dieser Offene Brief ist ein beispielloses Dokument der Solidarität und belegt einmal mehr die Kulturbarbarei, die durch die Entscheidung des SWR zur Fusion der Klangkörper in Aussicht steht.“

Damokles-Schwert über SWR Klangkörpern

Vernichtung Kultureller Vielfalt beim SWR

Intendant Peter Boudgoust stellt die Zukunft der beiden großen SWR Orchester Stuttgart und Baden-Baden/Freiburg in Frage, indem er die Diskussion über eine Fusion der Klangkörper Anfang der Woche eröffnet hat. Hintergrund sind Etatkürzungen beim SWR: Bis zum Jahr 2020 müssen 160 Millionen Euro eingespart werden. Weitere Alternativen neben der Fusion seien die Reduzierung eines der Orchester auf ein Kammerorchester oder sogar die komplette Auflösung eines der Klangkörper. Seit der Sender-Fusion 1998 ist diese Kürzung neben der Zusammenlegung des SWR Rundfunkorchesters Kaiserslautern mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken sowie der Reduzierung der Planstellen des SWR Vokalensembles bereits die dritte gravierende Einsparung bei den SWR Klangkörpern.

Prof. Christian Höppner: "Die zentrale Aufgabe für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk beruht gerade im Zeitalter der Digitalisierung auf der breiten Wahrnehmung seines Kulturauftrages. Die unverwechselbaren Profile der Rundfunkklangkörper haben sich zu einer weltweit anerkannten Marke für das Kulturland Deutschland entwickelt. Darüber hinaus setzen sie wesentliche Impulse zur Weiterentwicklung des Musiklebens und für die Musikalische Bildung. Die Absicht, bereits zum dritten Mal bei den Klangkörpern des SWR zu kürzen, wird wertvolle und jahrelang gewachsene Klangprofile zerstören. Die kommunizierte Ergebnisoffenheit bei den verschiedenen ‚Lösungswegen‘ ist reine Augenwischerei, da das Ende der Fahnenstange bei den Kürzungsmöglichkeiten längst erreicht ist.
Die angedachte Fusion ist eine Milchmädchenrechnung, die sowohl der kulturellen Landschaft in Deutschland, als auch der internationalen Reputation der Klangkörper in Deutschland schaden wird. Die Zusammenlegung zweier seit über 50 Jahren gewachsener Kulturorchester kann nur eine Unternehmensberatung in Betracht ziehen, die in der Einschätzung von kulturellen Entwicklungsprozessen offensichtlich keine Kompetenz vorweisen kann. Wer sich auf solche Beratungsergebnisse stützt, versündigt sich an der Kulturellen Vielfalt in unserem Land.

Der Deutsche Musikrat fordert die Mitglieder des Rundfunkrates unter Vorsitz von Dr. Harald Augter sowie den Intendanten Peter Boudgoust auf, den Rotstift nicht erneut bei den Klangkörpern anzusetzen. Bei einem Etat von jährlich 1,15 Milliarden Euro gibt es mit Sicherheit andere Bereiche, in denen die Ausgabenpolitik hinterfragt werden könnte.“

Pressemitteilung des Deutschen Musikrates vom 10. Februar 2012

BILD-Kampagne gefährdet unsere Kultur

Mit einem Offenen Brief vom 11. Januar 2013 nimmt der Deutsche Musikrat Stellung zur "Wutwelle" der BILD-Zeitung gegen die GEZ und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Sehr geehrter Herr Dr. Döpfner,

bei allem Respekt vor der Pressefreiheit und der guten Quote: Der heute in der Bildzeitung veröffentlichte Beitrag gegen die Rundfunkklangkörper hat die politische und kulturelle Schmerzgrenze deutlich überschritten.

In dem Artikel „Und so verschwenden sie unsere Gebühren“ werden sämtliche Klangkörper des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in einer Weise denunziert, bei der weder kulturelles noch gesellschaftspolitisches Augenmaß waltet. „Allein die Orchester der ARD beschäftigen fast doppelt so viele Mitarbeiter wie die gesamte Sendergruppe Pro7Sat.1“ – dieser Vergleich von Äpfeln und Birnen informiert weder den Leser umfassend, noch ist er elegante Polemik. Es ist schlicht Hetze.

Die Orchesterlandschaft in Deutschland ist in ihrer Historie, Dichte und Vielfalt weltweit einzigartig und trägt zu einem wesentlichen Teil zu unserem kulturellen Leben bei. Sehr geehrter Herr Dr. Döpfner, Sie sind studierter Musik- und Theaterwissenschaftler. Das sind also keine Neuigkeiten für Sie. Aber es geht hierbei nicht um die Wahrung von Einzelinteressen, es geht um die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Ohne die Klangkörper des öffentlich-rechtlichen Rundfunks würde eine grundlegende Säule unseres Kulturlandes ersatzlos (!) wegfallen.

Natürlich sind zur Pflege des kulturellen Erbes Ressourcen notwendig, genauso wie beispielsweise zur Sicherung unseres Verkehrsnetzes und Schulwesens. Das ist jedoch bei weitem kein Grund, über deren Abschaffung nachzudenken geschweige denn, sie zu fordern. Bei allem Respekt vor der Debatte zur Strukturierung und Abgabe der Rundfunkgebühren: Die Rundfunkklangkörper sind ein Reichtum, den wir nicht durch überzeichnete Medien-Kampagnen gefährden dürfen.

Als Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG stehen Sie auch in der Verantwortung, sich „für die Gesellschaft als Ganzes zu engagieren“ wie es in Ihrer Firmenphilosophie lautet. Deshalb appelliere ich eindringlich an Sie, sich dieser Gesamtverantwortung für die Kultur in unserem Land zu stellen.

Mit besten Grüßen
Christian Höppner


Die Axel Springer AG reagierte mit einem Schreiben der Chefredaktion der BILD-Zeitung.

Der Deutsche Musikrat antwortete wiederum mit einem Schreiben des Generalsekretärs.