Musikpolitik

Qualitätskriterien für Projekte zur Förderung Musikalischer Bildung

Projekte zur Förderung Musikalischer Bildung können im Grundsatz richtungweisende Impulse setzen und somit zur Weiterentwicklung bestehender Konzepte bzw. neuer Ansätze beitragen. Die zeitliche Begrenzung von Projekten reduziert jedes Projekt natürlicherweise auf diese Impulsfunktion. Sie können daher niemals die für die Musikalische Bildung unerlässliche Kontinuität und Qualität ersetzen – weder in der Aus-, Fort- noch Weiterbildung. Projekte zur Förderung Musikalischer Bildung können im Musikland Deutschland auf der Grundlage einer funktionierenden bildungskulturellen Infrastruktur ein bedeutsamer Innovationsfaktor sein. Voraussetzung dafür sind u.a. die nachfolgend aufgeführten Qualitätskriterien.

 

  1. Projekte zur Förderung Musikalischer Bildung sollten auf Nachhaltigkeit hin angelegt sein, denn Bildung benötigt Zeit, d.h. Projektentwürfe sollten in diesem Sinne an bereits bestehende Maßnahmen anknüpfen und mögliche Anschlussmaßnahmen in den Blick nehmen.
  2. Projekte zur Förderung Musikalischer Bildung sollten ohne Zeitdruck im Dialog mit Fachleuten mit musikpädagogischer Kompetenz entwickelt werden, denn diese können Chancen und Probleme der Projektentwürfe aus fachlicher Sicht beurteilen.
    Damit aus guten Ideen auch Qualität in der Praxis werden kann, bedarf es gründlicher fachlich fundierter Reflexionen bezüglich aller Details.
  3. Projekte zur Förderung Musikalischer Bildung sollten in der Durchführung auf Fachkräfte zurückgreifen, deren Studium und Werdegang fachlich genau zu dem Projekt passen, denn für die unterschiedlichen Praxisfelder der Musikalischen Bildung braucht es jeweils spezifische praktische und theoretische Grundlagen.
    So können etwa Instrumentalpädagoginnen und -pädagogen nicht ohne weiteres auch mit großen Gruppen oder im Sinne der Elementaren Musikpädagogik arbeiten; Lehrerinnen und Lehrer der allgemein bildenden Schulen verfügen nicht per se auch über Qualifikationen für den Instrumentalunterricht.
  4. Projekte zur Förderung Musikalischer Bildung setzen im Interesse einer nachhaltigen Wirksamkeit zwingend eine angemessene, an einschlägigen Tarifen orientierte Honorierung der Fachkräfte voraus, denn nur so kann man qualifizierte Fachkräfte für das Projekt gewinnen und einer Wertschätzung für deren Arbeit Ausdruck verleihen.
    Fachkräfte werden sich nur dann für ein Projekt engagieren und mit ihm identifizieren können, wenn ein angemessenes Honorar bezahlt wird; andernfalls besteht die Gefahr, dass das Projekt allenfalls Studierende und wenig Qualifizierte anspricht, die aber noch nicht über die nötige Erfahrung verfügen können und überdies kaum Kontinuität gewährleisten können.
  5. Projekte zur Förderung Musikalischer Bildung sollten von Fachleuten evaluiert werden, denn dadurch können Probleme und Chancen in den Blick kommen und optimierende Maßnahmen entwickelt werden.
    Die Ergebnisse so genannter „formativer Evaluationen“ werden gemeinsam mit den Beteiligten reflektiert und fließen sofort wieder in die Praxis ein.

 

Diese Qualitätskriterien wurden vom Präsidium des Deutschen Musikrates auf Empfehlung des Bundesfachausschusses Musikalische Bildung im September 2009 verabschiedet.