Musikpolitik

Da Pacem, Domine – Verleih uns Frieden

Martin Luthers Einfluss auf die Musik seiner und unserer Zeit

In Fortsetzung der Initiative "Einheit durch Vielfalt - Kirche macht Musik" und im Rahmen einer ökumenischen Initiative zum Musikjahr der Lutherdekade gedachten Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker beider Konfessionen der Bedeutung Martin Luthers für die Musik seiner Zeit und der Auswirkungen auf die Kirchenmusik bis zum heutigen Tag. Die Initiative ging von den beiden kirchlichen Chorverbänden „Chorverband in der Evangelischen Kirche in Deutschland“ und „Deutscher Chorverband Pueri Cantores“ aus und wurde vom Deutschen Musikrat mitgetragen.

Zwei zentrale Veranstaltungen griffen Martin Luthers Einfluss auf die Musik seiner und unserer Zeit am Buß- und Bettag 2012 auf und vertieften sie musikalisch:

  • ein ökumenischer Gottesdienst in der Trierer Konstantinsbasilika mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, und Bischof Dr. Stephan Ackermann,
  • ein Konzert in der Berliner Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche, in dem die Breite der Musik zu Luthers Zeit und die durch ihn angestoßenen Veränderungen bis hinein in die Gegenwart aufgezeigt werden.

Mit dieser Initiative sollte nicht nur der Einfluss Martin Luthers auf die gesamte Kulturlandschaft Deutschlands herausgestellt, sondern auch die gesellschafts- und kulturpolitische Bedeutung des Chorsingens in Deutschland aufgezeigt werden.


Die Initiative wurde unterstützt durch:
•    den Verband evangelischen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker,
•    den Bundesverband katholischer Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker
•    den Allgemeinen Cäcilien-Verband
•    die Konferenz der Ämter und Referate Kirchenmusik
•    die Ständige Konferenz für Kirchenmusik der EKD,
•    die evangelische Direktorenkonferenz.
 

Die Arbeitsgruppe Kirchenmusik des Deutschen Musikrates hatte im Rahmen ihrer Winterarbeitstagung 2012 die folgende Resolution „Vorfahrt für Musik“ verabschiedet.

"Vorfahrt für Musik"

Musikalische Bildung braucht mehr Engagement von Zivilgesellschaft und Politik

Resolution anlässlich des bundesweiten ökumenischen Projektes
„Da pacem, Domine – Verleih uns Frieden“ im Musikjahr der Lutherdekade

Der Deutsche Musikrat sieht sich gemeinsam mit der evangelischen und katholischen Kirche in der Mitverantwortung für die Weiterentwicklung unserer human geprägten Gesellschaft und für die Befähigung des Menschen, Spiritualität und Transzendenz erfahren zu können. Musik ist Teil einer ganzheitlichen Menschenbildung. Musik ist in der Lage, den Menschen in seinem rationalen, emotionalen und spirituellen Wesen anzusprechen und ihn ein Leben lang zu begleiten. Sie gehört zu den grundlegenden Ausdrucksformen des Menschen.

Eine qualifizierte und kontinuierliche Musikalische Bildung ist die Voraussetzung für eine differenzierte Wahrnehmung des Eigenen und des Anderen. Das gemeinschaftliche Musizieren erfordert die Fähigkeit zur Empathie und fördert diese. Kulturelle Teilhabe gerade in den prägenden Entwicklungsjahren von Kindern und Jugendlichen kontinuierlich und qualifiziert zu ermöglichen, ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.

Die Kirchenmusik trägt wesentlich zu den drei Grundsäulen der „UNESCO-Konvention Kulturelle Vielfalt“* bei. Durch die zunehmende Ökonomisierung in unserem Denken und Handeln sind diese drei Grundsäulen gefährdet. Ohne kulturelle Teilhabe ist Kulturelle Vielfalt nicht möglich.

Die „Arbeitsgruppe Kirchenmusik des Deutschen Musikrates“ fordert:
•    Orte kultureller Erstbegegnung (Familien, Kindertagesstätten, Kirchen, Schulen, Musikschulen und Vereine) durch eine Prioritätensetzung in der Bildungspolitik zu stärken.
•    Außerschulische Freiräume zur musikalischen Entfaltung für Kinder und Jugendliche zu schaffen.
•    Kooperationen in der Musikalischen Bildung zwischen Schulen und Kirchen zu ermöglichen und auszubauen.
•    Musikalische Bildung braucht Qualität und Kontinuität. Musik muss wieder zum Grundkanon frühkindlicher und schulischer Bildung gehören.

Mit dem nationalen Bildungsbericht 2012 der Kultusministerkonferenz und der Bundesregierung, dem Schlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Kultur in Deutschland“, dem Grundsatzpapier des Deutschen Musikrates „Musikalische Bildung in Deutschland – ein Thema in 16 Variationen“ sowie der „Resolution zur Kirchenmusik in Deutschland“ des Deutschen Musikrates ist eine Vielzahl von Handlungsempfehlungen geschaffen worden.

Wir appellieren an alle Akteure von Zivilgesellschaft und Politik, sich für diese Forderungen stärker zu engagieren.


Prof. Martin Maria Krüger
Präsident des Deutschen Musikrates   

Christian Höppner
Generalsekretär des Deutschen Musikrates

Matthias Balzer
Präsident des Deutschen Chorverbandes Pueri Cantores

KMD Christoph Bogon
Präsident des Verbandes evangelischer Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker in Deutschland

Msgr. Prof. Dr. Wolfgang Bretschneider
Präsident des Allgemeinen Cäcilienverbandes für Deutschland

DKMD Thomas Drescher
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Ämter/Referate für Kirchenmusik der Diözesen Deutschlands

KMD Christian Finke
Präsident des Chorverbandes in der Evangelischen Kirche in Deutschland   

Christian Krauß
Geschäftsführer der VG Musikedition

KMD Kord Michaelis
Präsident der Konferenz der Leiter der kirchlichen und der staatlichen Ausbildungsstätten für Kirchenmusik und der Landeskirchenmusikdirektoren in der EKD   

Prof. Wolfgang Seifen
Vorstandsvorsitzender der Konferenz der Leiterinnen und Leiter katholischer Ausbildungsstätten für Kirchenmusik

Markus Uhl
Vorsitzender des Bundesverbandes katholischer Kirchenmusiker Deutschlands   

Berlin, 13. Dezember 2012

 

Die pdf-Version der Resolution finden Sie hier.