Musikpolitik

Vier Monate Venezuela

Für ein viermonatiges Musikvermittlungsprojekt, das von der staatlichen venezolanischen Stiftung FESNOJIV (Fundación del Estado para el Sistema Nacional de Orquestas Juveniles e Infantiles de Venezuela) und dem Deutschen Musikrat ausgeschrieben wurde, waren 16 Musiklehrerinnen und -lehrer aus Deutschland von April bis Juli 2008 in Venezuela zu Gast, um dort instrumentalen Gruppen- und Einzelunterricht sowie Fortbildungen für venezolanische Musiklehrer für nahezu alle Orchesterinstrumente zu erteilen.

Gleichzeitig eröffnete das Projekt den Musiklehrerinnen und -lehrern die Möglichkeit, Erfahrungen im Nationalen Kinder- und Jugendorchestersystem von Venezuela zu sammeln, das in seinem Engagement für die instrumentale Ausbildung von Kindern und Jugendlichen unter dem Motto Musik ist die beste Sozialarbeit beispielhaft ist. Diese Erfahrungen haben die Musiklehrerinnen und -lehrer in ihre spätere Arbeit in Deutschland einfließen lassen.


Die 16 Musiklehrerinnen und -lehrer, die in einem Auswahlverfahren aus über 80 Bewerbern ermittelt wurden, wurden in Venezuela zunächst vom deutschen Botschafter in Venezuela, Georg Clemens Dick, empfangen und erhielten eine einwöchige Einführung in das venezolanische Kinder- und Jugendorchestersystem, bevor sie ihre Arbeit praktisch in den einzelnen Musikschulen in Venezuela aufnahmen.

Das Musikvermittlungsprojekt wurde gefördert von der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen, dem Auswärtigen Amt, dem Goethe-Institut, der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Deutschen Orchestervereinigung und dem Verband deutscher Musikschulen.

Evaluationsveranstaltung

Im Juli 2009 hat in Nürnberg die Evaluationsveranstaltung zum Projekt „Vier Monate Venezuela“ statt gefunden. Die Teilnehmer des Projektes tauschten in Anwesenheit des Oberbürgermeisters der Stadt Nürnberg, Dr. Ulrich Maly, und des stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Orchestervereinigung, Werner Burkhoff, Erfahrungen und inhaltliche Anregungen aus. Der Deutsche Musikrat war durch seinen Präsidenten Prof. Martin Maria Krüger und Generalsekretär Prof. Christian Höppner vertreten.

„Das Projekt ’Vier Monate Venezuela’ ist ein wichtiger Baustein der Auswärtigen Musikpolitik des Deutschen Musikrates, die nicht nur auf Begegnung und Dialog angelegt ist, sondern international beispielhafte Ansätze von Jugendkulturarbeit auch in Deutschland verstärken möchte. Hierzu bedarf es einer Bewusstseinsbildung bei den politischen Entscheidungsträgern, Musikalische Bildung auch als Sozialarbeit zu betrachten. Die musikpolitischen und -pädagogischen Ansätze von ‚El Sistema’ in Venezuela sind aufgrund der unterschiedlichen Strukturen nicht 1:1 auf Deutschland übertragbar, konnten bei den Musikpädagoginnen und -pädagogen jedoch wichtige Impulse setzen, die diese auch als Multiplikatoren innerhalb der deutschen Musiklandschaft weiter tragen können.”

Prof. Martin Maria Krüger


„Das ist die Denksportaufgabe unserer Zeit: Wie ermöglicht man angesichts schrumpfender öffentlicher Haushalte allen Kindern und Jugendlichen den Zugang zur Welt der Musik?”

Dr. Ulrich Maly

China

Die Zusammenarbeit des Deutschen mit dem Chinesischen Musikrat (Chinese Musicians Association) nahm 2004 ihren Anfang. Zwischenzeitlich gründete der Deutsche Musikrat eine Dependance unter seinem Beauftragten Yang Lin in Peking sowie ein Büro in Mianyang in der Provinz Sichuan. Er gab den Impuls für das durch die Rektorenkonferenz der Deutschen Musikhochschulen unter ihrem 2008 verstorbenen Vorsitzenden Martin Pfeffer angestrebte Projekt einer Deutschen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst China.

Im April 2008 fand das 1. Chinesisch-Deutsche Forum für Akademische Musikausbildung in Dalian statt, das in die Gründung einer zunächst ca. 30 chinesische Universitäten umfassenden Arbeitsgemeinschaft mündete. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, insbesondere über den Deutschen Musikrat in einen systematischen Austausch mit deutschen Universitäten und Hochschulen einzutreten. 

Anlässlich der Generalversammlung des Internationalen Musikrats in Peking 2007 gab ein chinesischdeutsches Orchester unter Beteiligung des Bundesjugendorchesters (BJO) ein viel beachtetes Konzert. Dirigent war u.a. der mittlerweile international erfolgreiche Stipendiat des Deutschen Dirigentenforums, Patrick Lange. Im Frühjahr 2009 hat das BJO während einer kompletten Arbeits- und Tourneephase erstmals ausgewählte chinesische Musiker integriert.