Musikpolitik

Eckpunkte der Auswärtigen Musikpolitik

Die Weltgemeinschaft wächst entscheidend auch über die Kultur zusammen. Der Deutsche Musikrat (DMR) steht als zivilgesellschaftlicher Kulturverband in der Mitverantwortung für die gesellschaftliche Entwicklung. Die Auswärtige Musikpolitik ist eine seiner originären Aufgaben, die sich wie folgt herleitet:

1)    Kulturelle Vielfalt
Die Kulturelle Vielfalt bildet das Fundament der musikpolitischen Arbeit. Gestützt wird diese im Grundsatzprogramm des Deutschen Musikrates verankerte Festlegung durch die UNESCO-Konvention zum Schutz und zur Förderung der Kulturellen Vielfalt. Zum ersten Mal ist damit eine internationale Vereinbarung zu Stande gekommen, die die drei Grundsäulen der Kulturellen Vielfalt gleichberechtigt nebeneinander stellt: Den Schutz und die Förderung
•    des kulturellen Erbes,
•    der zeitgenössischen künstlerischen Ausdrucksformen (alle Stilrichtungen),
•    der Kulturen anderer Länder in unserem Land.

Mit diesem breiten Ansatz von Kultureller Vielfalt, der sich nicht auf den transkulturellen Bereich eingrenzen lässt, ergibt sich auch ein erweiterter Blick auf die Auswärtige Musikpolitik. Sie steht nicht mehr für sich allein – womöglich in der alleinigen Zuständigkeit des Auswärtigen Amtes und seiner Mittlerorganisationen –, sondern ist auf das engste mit den kulturellen Ausdrucksformen eines Landes verbunden.

2)    Innen und Außen
In der Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland hat sich die Auswärtige Kulturpolitik von „der  dritten Säule“ hin zu einer Querschnittsaufgabe entwickelt. Dies unterstreicht, dass die Aktivitäten im Bereich der Auswärtigen Kulturpolitik in einem Zusammenhang zu sehen und zu behandeln sind. Die vielfältigen Bindungen und Verbindungen aller föderalen Ebenen von Staat und Zivilgesellschaft zeigen, wie verwoben Innen und Außen sind. Angesichts der zahlreichen zuständigen Ressorts auf der Bundesebene (Auswärtiges, Kultur und Medien, Entwicklung, Verteidigung) ist es notwendig, die Zusammenarbeit im Sinne einer abgestimmten Auswärtigen Kulturpolitik zu verbessern.
Die UNESCO-Konvention Kulturelle Vielfalt setzt auf diesem Zusammenhang von Innen und Außen auf – in dem Selbstverständnis einer transkulturellen Kommunikation. So ist Innen Außen und Außen Innen: Bildungs- und Kulturpolitik werden Teil einer Auswärtigen Kulturpolitik und umgekehrt.

3)    Zivilgesellschaftliches Engagement und transkulturelle Kommunikation
Der Anteil von Mitbürgerinnen und Mitbürgern nichtdeutscher Herkunft in unserer Bevölkerung nimmt seit vielen Jahren stetig zu. Diese Entwicklung spiegelt sich in den Aufgabenstellungen und den Strukturen zivilgesellschaftlicher Einrichtungen oft noch nicht in hinreichendem Maße wider, was auch für den Deutschen Musikrat zutrifft. Als größte Bürgerbewegung im Kulturbereich steht der Deutsche Musikrat in der Verantwortung, diese Entwicklung proaktiv zu begleiten. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Kompetenzverlagerung steuerungspolitischer Entscheidungen auf die europäische bzw. internationale Ebene gewinnt das zivilgesellschaftliche Engagement auch und gerade in der Verbindung mit zivilgesellschaftlichen Strukturen im In- und Ausland zunehmend an Bedeutung.

Damit gibt es klare Handlungsgrundlagen und in Bezug auf die strategische Ausrichtung eine eindeutige Auftragslage:
•    Die Auswärtige Musikpolitik des Deutschen Musikrates ist Teil seiner gesamtstrategischen Ausrichtung.
•    Die konzeptionelle Grundlage der Auswärtigen Musikpolitik bilden die UNESCO-Konvention Kulturelle Vielfalt, der 2. Berliner Appell, das Grundsatzprogramm „Musikpolitik in der Verantwortung“ und die entsprechenden Präsidiumsbeschlüsse.

Ziele der Auswärtigen Musikpolitik des Deutschen Musikrates:
•    strategische Partnerschaften für die musikpolitischen Themen bilden,
•    nachhaltig angelegte Begegnungen fördern,
•    Informationsaustausch.

4)    Internationaler Austausch im Rahmen Auswärtiger Musikpolitik
Die über Jahrzehnte gewachsenen internationalen Kontakte des DMR sind ein wesentliches Element des Kulturaustauschs zwischen Deutschland, seinen europäischen Nachbarn und diversen außereuropäischen Ländern. Der DMR wird mit seinen Mitgliedern, insbesondere mit den Landesmusikräten, die Kontakte zu den europäischen Staaten, innerhalb und außerhalb der EU vertiefen und ausbauen.
Die Initiierung und Pflege von internationalen Beziehungen setzt das enge Zusammenwirken innerhalb des DMR mit seinen Beratungsgremien und außerhalb mit den jeweils zuständigen Partnern voraus. Dies umfasst:

•    Dokumentation bestehender Aktivitäten des Deutschen Musikrates und der Landesmusikräte,
•    Zusammenarbeit mit dem Internationalen Musikrat, dem Europäischen Musikrat und der ISME zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für kreatives Schaffen und musikalischen Austausch,
•    Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und dem Institut für Auslandsbeziehungen,
•    Möglichkeit der Kooperation mit Unternehmen, Stiftungen und Institutionen, die in den entsprechenden Ländern tätig sind,
•    Weiterentwicklung der Europäischen Musikbörse als Querschnittsthema,
•    Für alle bundesweiten Veranstaltungen wie z. B. DOW, DCW, Jugend jazzt und PopCamp werden europäische Nachbarstaaten als Partnerländer eingeladen. Dies wird als besondere auswärtige Aktivität mit Begegnungscharakter herausgestellt und entsprechend beworben.


Berlin, 11. Mai 2012