Allgemeines

30.04.2019 Deutsches Musikinformationszentrum

"Ohne Daten können Sie in der Kulturpolitik gar nichts erreichen"

Ein Gespräch anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Deutschen Musikinformationszentrums

Seit 20 Jahren dokumentiert das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) Strukturen und Entwicklungen des Musiklebens in Deutschland. Anlässlich des Jubiläums sprachen der Präsident des Deutschen Musikrats, Martin Maria Krüger, und zwei der Gründungsväter des MIZ, Andreas Eckhardt und Joachim-Felix Leonhard, im Interview über die Bedeutung von Daten und Fakten für kulturpolitische Entscheidungen sowie für Wissenschaft und Musikverbände.

Das Musikleben in Deutschland ist durch seine lange Tradition und große Vielfalt stark verzweigt. Mehr als 11.000 Institutionen zeugen von dem hohen Interesse an Musik - von den Chorverbänden über die Musikhochschulen bis hin zu den Konzerthäusern. Hier einen Überblick zu erhalten, ist eine komplexe Angelegenheit.

Wer jedoch Fördergelder für ein neues Jugendorchester beantragen möchte, wer über die Besuchszahlen im Bereich Oper forschen will oder wer wissen möchte, wie viele Freie Ensembles oder öffentlich finanzierte Orchester es gibt, benötigt zuverlässige Strukturdaten und Hintergrundinformationen. "Die Bedeutung von Daten und Statistiken kann gar nicht überschätzt werden", erläutert Martin Maria Krüger, "Sie können überhaupt nichts in die Politik einspeisen - das betrifft nicht nur die Kulturpolitik -, ohne dass Sie sich auf ganz klare Datenlagen stützen. Ein weiterer, überhaupt nicht wegzudenkender Sinn besteht darin, eine Grundlage für jede Art Forschung, Wissenschaft und Lehre zu schaffen."

Daher war die Gründung des Deutschen Musikinformationszentrums unter dem Dach des Deutschen Musikrats vor 20 Jahren ein lange gehegter Wunsch vieler Kulturinstitutionen. Erstmals wurden - und werden - die disparat in Fachverbänden, Forschungsinstitutionen und offiziellen Stellen vorliegenden Daten und Informationen unter einheitlichen Gesichtspunkten ausgewertet, kommentiert und online leicht zugänglich gemacht. "Die Verbände haben schnell erkannt, welche Vorteile es bringt, die Daten in der Form der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen", so Andreas Eckhardt, "sie konnten damit viel mehr Interessengruppen in der Bevölkerung erreichen. Das hätten sie alleine nicht geschafft."

Heute stellt das MIZ längst mehr als Strukturdaten und Statistiken zu Verfügung. Publikationen wie jüngst das Überblickswerk "Musikleben in Deutschland", Fachbeiträge, topografische Darstellungen sowie Hintergrundinformationen zu immer wieder aktuellen Themen wie zuletzt "Musik und Integration" betten die Daten in einen größeren Kontext ein und vermitteln einen detaillierten Überblick über das Musikland Deutschland. "Das MIZ ist so etwas wie ein elektronisches Kursbuch zum Musikleben in Deutschland", bringt es Joachim-Felix Leonhard auf den Punkt.

Perspektivisch möchte das MIZ sein Angebot weiter ausbauen und die föderale Struktur des Musiklebens in Länderportalen noch tiefer abbilden. "Die Länderportale sollen den unterschiedlichen Gegebenheiten in den einzelnen Ländern Rechnung tragen", so Leonhard, "im Ergebnis profitieren kulturpolitische Institutionen, Ministerien und Landtage ebenso wie die musikwissenschaftliche und politische Forschung und der Fachjournalismus."

Um seine Arbeit ausbauen zu können und auch weiterhin flexibel auf aktuelle Themen reagieren zu können, hofft das MIZ jetzt auf eine Konsolidierung der Mittel. "2018 hat es eine vorübergehende Entspannung in der lange Jahre geradezu prekären Finanzsituation gegeben, wofür wir der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und ihrem Haus sehr dankbar sind, aber das muss fortgeschrieben werden", so Krüger, "es ist jetzt schon absehbar, dass die Mittel nicht ausreichen werden, die nächsten Jahre auch nur auf einer auskömmlichen Höhe zu bestreiten." Daher solle es nun verstärkt Bemühungen um eine grundständige Verstetigung des Etats geben.

Das vollständige Interview, das am 28.3.2019 im MIZ stattfand, finden Sie im neuen Themenschwerpunkt "20 Jahre MIZ" auf der Website des Musikinformationszentrums unter https://themen.miz.org/20-jahre-miz.


Über das MIZ:
Das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) ist nationales Kompetenzzentrum und Anlaufstelle für alle, die Informationen und Daten zum Musikleben suchen. Mit seinem Onlineportal www.miz.org betreibt das MIZ die führende Informationsplattform zum Musikleben und informiert über Einrichtungen, Strukturen und Entwicklungen zentraler Bereiche: von der musikalischen Bildung und Ausbildung über das Amateurmusizieren, die professionelle Musikausübung und das Veranstaltungswesen bis zu den Medien und der Musikwirtschaft. Gefördert wird das MIZ durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), durch die Kulturstiftung der Länder, die Stadt Bonn sowie von privater Seite durch die Gesellschaft für Leistungsschutzrechte (GVL).

Über den Deutschen Musikrat:
Der Deutsche Musikrat (DMR) ist der Dachverband des Musiklebens in Deutschland. Er vertritt die Interessen von rund 14 Millionen Musizierenden und steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Organisation fügt sich zusammen aus dem Deutscher Musikrat e.V. in Berlin sowie der Deutscher Musikrat gemeinnützige Projektgesellschaft mbH in Bonn, Träger der Projekte: Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler, Bundesjazzorchester, Bundesjugendorchester, Deutscher Chorwettbewerb, Deutscher Musikwettbewerb, Deutscher Orchesterwettbewerb, Deutsches Musikinformationszentrum (MIZ), Dirigentenforum, Förderprojekte Zeitgenössische Musik, Jugend jazzt, Jugend musiziert und PopCamp.

Pressekontakt:
Stephan Schulmeistrat, Leitung Deutsches Musikinformationszentrum
Deutscher Musikrat gGmbH * Weberstr. 59 * 53113 Bonn
Tel.: 0228 / 2091-180 * Fax 0228 / 2091-280 * Mail: info(at)miz.org * www.miz.org