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#Orgeljahr2021

#TrostUndHoffnung: Folge 4 - Ins Ungewisse

17 Komponistinnen und Komponisten haben sich im Frühling 2021 für das Projekt „Orgelmusik in Zeiten von Corona“, das wir gemeinsam mit den beiden Kirchen durchführen, kreativ mit der Corona-Zeit auseinandergesetzt. Die dabei entstandenen Werke stellen wir Ihnen in unserer Reihe #TrostUndHoffnung genauer vor und verraten auch, wo man sie demnächst live erleben kann.

Die eineinhalb Jahre, die hinter uns liegen, waren geprägt von radikalen Veränderungen: eine Zeit des Übergangs, in der etablierte Strukturen und Gewissheiten zusammenbrachen, in der für das zwischenmenschliche Miteinander neue Regeln nötig wurden, Werte neu definiert werden mussten. Noch immer sind wir alle gefordert, flexibel zu sein, uns neu auszurichten, die Ungewissheit der momentanen Situation auszuhalten und einer offenen Zukunft entgegenzublicken. Diese Übergangsphase mit ihren kraftvollen, oft aber auch beängstigenden Zügen findet auch Widerhall in einigen Kompositionen unseres Projekts „Orgelmusik in Zeiten von Corona“.

Nicole Johänntgen betont in „Inexorable Transition“, was man mit „Unerbittlicher Übergang“ übersetzen könnte, die Hoffnung auf Lernprozesse, die Krisen wie die Corona-Pandemie mit sich bringen. Krisen, als Phänomene eines unerbittlichen und unaufhaltsamen, eines erbarmungs- und kompromisslosen Wandels, konfrontieren die Menschheit beständig mit neuen Herausforderungen. Doch nur so gelangen wir als Gesellschaft „aus der Komfortzone heraus in das neue Wir“, schreibt Johänntgen in ihrem Werkkommentar. Die Jazzsaxofonistin und Komponistin zelebriert in ihrem Werk dieses Potenzial von Veränderung und Entwicklung, indem sie lang anhaltende Liegetöne – als statische Ruheinseln – mit dynamischen Abschnitten voller Vitalität und Kraft konfrontiert. Johänntgens Komposition können Sie unter anderem am 21. Oktober 2021 in der Katholischen Inselkirche St. Nikolaus auf der Insel Langeoog erleben.

Enjott Schneider richtet in seiner Komposition „Nach der Apokalyptik – Toccata & Vision“ den Blick auf das Ende der Welt. Dieses Endzeitszenario, das die Ängste in der Corona-Pandemie aufzugreifen scheint, ist bisweilen dämonisch und von furiosem Zorn geprägt – etwa wenn anfangs in der Toccata „die apokalyptischen Reiter“ mit dissonanten und gegenläufigen Sprüngen den Ausnahmezustand der Corona-Zeit versinnbildlichen. Doch in der anschließenden „Vision“ erklingt die Utopie einer besseren Zukunft, in der sich die Ängste und Sorgen im Fluss der musikalischen Zeit auflösen, und ein majestätisches Finale signalisiert zuletzt: Es ist doch noch nicht aller Tage Abend. Enjott Schneiders Komposition wird unter anderem am 17. Oktober 2021 in der Diakoniekirche Luther in Mannheim aufgeführt.

Frank Heckel richtet mit „Trois Pièces pour les Temps nouveaux“ auf Deutsch: „Drei Stücke für die neue Zeit“, seinen Fokus auf eine Reise „von archaischen Äonen zu unbekannten Ufern neuer Zeiten zur unzerstörbaren Utopie zauberhafter Zukunft“, wie der Komponist beschreibt. In seiner dreiteiligen musikalischen Erzählung verarbeitet er jahrhundertealte christliche Glaubensbotschaften, etwa die Erwartung der Auferstehung der Toten, das Endzeit-Szenario des gregorianischen Chorals „Dies Irae“ („Tag des Zorns“) und die „L`Ascension“, die „Auferstehung“. So entspinnt sich das Sinnieren über den vermeintlich endgültigsten Übergang – die Schwelle zwischen Leben und Tod – bei Heckel als suggestives Klangschauspiel. Sein Werk können Sie zum Beispiel am 27. November 2021 in der Protestantischen Kirche Erfenbach in Kaiserslautern kennen lernen. Alle Informationen zum Projekt und den Kompositionen sowie den vollständigen Konzertkalender finden Sie hier.

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