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#Orgeljahr2021

#TrostUndHoffnung: Folge 2 – In die Ferne schweifen

Im Rahmen des überkonfessionellen Projekts „Orgelmusik in Zeiten von Corona“, das wir gemeinsam mit den beiden Kirchen durchführen, entstanden im Frühling 2021 17 Neukompositionen, die sich kreativ mit der Corona-Zeit auseinandersetzen. In unserer Reihe #TrostUndHoffnung stellen wir Ihnen die Werke und ihren Bezug zur Corona-Zeit genauer vor und verraten, wo man diese live erleben kann.

Während der Corona-Pandemie wurde der Bewegungsradius der Menschen plötzlich sehr klein: Extreme Reisebeschränkungen machten internationale Begegnungen und Erlebnisse in anderen Ländern, in der Fremde unmöglich. Flüge ins Ausland waren zeitweise komplett eingestellt – und die globalisierte Jetset-Welt, in der die Distanzen zuvor so klein erschienen, war plötzlich wieder groß und weit. In vielen wuchs in dieser Zeit die Sehnsucht nach der Ferne, nach Inspiration durch andere Kulturen, wie sie sich grade auch in Kompositionen schon immer widerspiegeln. Solche transkulturellen Impulse prägen einige der Werke des Projekts „Orgelmusik in Zeiten von Corona“: So bringt die Organistin, Pianistin, Chorleiterin und Komponistin Iris Rieg in ihrem Werk „Nah und fern“ die grenzenlose, verbindende Kraft der Musik zum Ausdruck und schreibt dazu: „Die Liebe zur Musik kennt keine epidemischen Grenzen. Sie verbindet Musizierende entferntester Landstriche und unterschiedlichster Lebensgewohnheiten miteinander.“ In tiefer Verbundenheit mit der Musik der französischen Moderne kombiniert sie in ihrem Stück die harmonischen Elemente europäischer Klangkultur mit komplexen rhythmischen Mustern, die denen der afrikanischen Kora-Harfe nachempfunden sind. Iris Riegs „Nah und fern“ ist unter anderem am 13. Oktober 2021 in einer musikalischen Meditation in der Stiftskirche im bayerischen Baumburg zu erleben.

Auch die in der Ukraine geborene Komponistin, Klangkünstlerin und Performerin Anna Korsun schweift mit ihrem Stück „furueru“ kompositorisch in die Ferne. Der japanische Werktitel „furueru“, der übersetzt „(er)bebend“ und „(er)erzitternd“ bedeutet, gibt dabei auch die fragile Atmosphäre des Stückes vor: Im ständigen Wechsel aus schnellen und langsamen Repetitionen, asynchronen Trillern und kleinen Tonschwebungen entspinnt sich eine Art ständig vibrierende Substanz, „schwach und stark zugleich“, wie die Komponistin dazu schreibt. Das Werk von Anna Korsun können Sie zum Beispiel am 14. November 2021 bei einem Gottesdienst in der Bochumer Versöhnungskirche kennen lernen.

Eckhart Kuper, Komponist und Kirchenmusiker, taucht in seinem Stück „Von Gott will ich nicht lassen“ in die Klangwelt Argentiniens ein und lässt dabei traditionelle Choralbearbeitungen mit Tangomusik verschmelzen. So verbinden sich Kirchenmusik und Tanz, alte und zeitgenössische Musik zu einer spirituellen Klangerfahrung, die nicht auf Konfessionen beruht, sondern auf Emotionen. Seine Komposition wird am 06. November 2021 in der Oldenburger St. Lamberti-Kirche zu erleben sein. Alle Informationen zum Projekt und den Kompositionen sowie den vollständigen Konzertkalender finden Sie hier.