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Stimmen aus der Politik

Der Tag der Musik 2011, der vom 17. bis 21. Juni mit 1.200 Veranstaltungen bundesweit stattfand, wurde unter dem Motto "Ohne Musik keine Bildung" veranstaltet und hat so eine Brücke zu der gleichnamigen Kampagne geschlagen. Politiker auf Bundes- und Landesebene haben sich zu diesem Anlass öffentlich zur Musikalischen Bildung und der Kampagne geäußert.

Prof. Dr. Norbert Lammert

Präsident des Deutschen Bundestages

Prof. Dr. Norbert Lammert

"Ohne Musik keine Bildung": Das Motto [...] wirkt vielleicht als stark übertrieben, betont aber zu Recht die herausragende Bedeutung von Kreativität und Fantasie für die Persönlichkeitsentwicklung. Das Miteinander in der Musik, ob beim Singen oder Musizieren, fördert die Entwicklung kognitiver und sozialer Fähigkeiten. Deshalb hat mich die inzwischen vielerorts erfolgreiche Initiative, jedem Kind ein Instrument in die Hand zu geben, von Beginn an so begeistert. Sie ermöglicht kulturelle Teilhabe unabhängig vom Geldbeutel. Der Tag der Musik setzt ein besonderes Signal für die Sicherung der kulturellen Bildung und den Reichtum an Kultureller Vielfalt in Deutschland, von dem ich mir wünsche, dass es politisch Gehör findet. Sicher bin ich mir indes, dass die zahlreichen Veranstaltungen bundesweit wieder hunderttausende Musikbegeisterte erreichen werden und dabei vor allem eines vermitteln: Musik bildet nicht nur, sie macht einfach auch Spaß.

Renate Künast

Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN

Renate Künast

Wir alle brauchen Musik: um zu genießen und  zu entspannen, um zu verstehen und zu lernen. Musik ist aber mehr als Unterhaltung und Entspannung: Musik ist elementar für unsere Gesellschaft, in der es auf Verständnis, Toleranz und kulturelles Miteinander ankommt. Wir brauchen Initiativen wie den Tag der Musik, um die Bedeutung der Musik für unser Leben, für unsere Kultur zu unterstreichen. Der Zugang zu Musik darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Auch nicht in Zeiten knapper Kassen. Denn 'ohne Musik keine Bildung' - das gilt heute mehr denn je.

Siegmund Ehrmann

Sprecher der Arbeitsgruppe Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion

Siegmund Ehrmann

Das Motto [...] 'Ohne Musik keine Bildung' könnte ebenso umgekehrt formuliert werden: Ohne Bildung keine Musik. Die musikalisch-ästhetische Bildung, im weitesten Sinne die gesamte kulturelle Bildung, ist eine wesentliche Voraussetzung für Kinder und Jugendliche, Zugang zu Musik zu haben. Unabhängig von der sozialen Herkunft und vom Geldbeutel der Eltern sollte es allen Kindern und Jugendlichen möglich sein, ihren eigenen Weg zur Musik zu finden. Sie erfahren damit nicht nur eine soziale Bereicherung durch das gemeinsame Musizieren, Proben und Hören, sondern verstehen gleichzeitig besser, was es bedeutet, künstlerisch und kreativ zu sein. Die Bedeutung der kulturellen Bildung für die Persönlichkeitsentwicklung ist mittlerweile vielfach erwiesen. Zwar hat auch die Bundespolitik diese Bedeutung längst anerkannt, jedoch fehlt nach wie vor eine mutige und auch konzeptionell auf die Bedeutung des Themas abgestimmte Kultur- und Bildungspolitik des Bundes. Die häufig wiederholte Aufzählung dessen, was alles bereits geschieht, offenbart vielmehr das punktuelle Klein-Klein in der Förderung. Genau so verhält es sich im gesamten Bereich der Musikförderung des Bundes. Ein ganzheitliches Musikförderkonzept des Bundes liegt nicht vor. Darin müssten neben Rahmenbedingungen musischen Schaffens und klaren Schwerpunkten in der Förderpolitik des Bundes auch die gezielte Förderung der musikalisch-ästhetischen Bildung enthalten sein.

Agnes Krumwiede

Kulturpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN

Agnes Krumwiede

Jedes Kind hat ein Recht auf künstlerische und musikalische Bildung - von der Kita an. Musische Fächer wie Kunst, Theater oder Musizieren müssen deshalb integraler Bestandteil unseres Bildungssystems werden. Damit kulturelle Bildung nicht hauptsächlich vom Einkommen der Eltern abhängt und den Lippenbekenntnissen über die positiven Auswirkungen musischer Bildung endlich Konsequenzen folgen, ist ein gesellschaftliches und politisches Umdenken gefordert. Dazu leistet der Deutsche Musikrat  mit dem Tag der Musik bereits seit drei Jahren einen wertvollen Beitrag. Auch in diesem Jahr werden unter dem Motto 'Ohne Musik keine Bildung' wieder zahlreiche Veranstaltungen die Verknüpfung von Herz und Verstand durch Musik thematisieren und eindrucksvoll erlebbar machen.

Stimmen aus der Geisteswissenschaft

Die Überschrift der vom Deutschen Musikrat ins Leben gerufenen, von den Berliner Philharmonikern, dem Konzerthaus Berlin, der Akademie der Künste, dem Deutschen Kulturrat und der Konferenz der Landesmusikräte unterstützen Aktion mag angesichts der aktuellen Kulturpolitik und im Blick auf die gegenwärtige Stellung des Musikunterrrichts in der Schule als überschwänglich, vielleicht sogar als vermessen gelten. Wer sich näher mit dem inneren Zusammenhang von Bildung und musikalischer Erfahrung beschäftigt hat, wird ihr gleichwohl aus vollem Herzen zustimmen. Mehr...

Autor: Dr. Stefan Hübsch

Start der Kampagne

Der offizielle Start der Kampagne fand im Rahmen der Pressekonferenz zum Tag der Musik 2010 am 17. Juni 2010 statt.

Foto v.l.n.r.: Olaf Zimmermann, Pamela Rosenberg, Christian Höppner, Prof. Dr. Sebastian Nordmann (© Deutscher Musikrat e.V.)

Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates und Präsident des Landesmusikrates Berlin:

Deutschland muss seine Chance neu ergreifen und jedem Kind und Jugendlichen den Zugang zur aktiven musikalischen Erfahrung ermöglichen. Um sich zu selbstbewussten Persönlichkeiten zu entwickeln, brauchen Menschen den Zugang zu kulturellen Werten, die ihr Woher und Wohin vermitteln. Wer Musik macht, lernt zuzuhören, wird neugierig auf das Andere und entdeckt seine eigenen Potentiale. Wir brauchen mehr Musik in Kita, Schule und Musikschule.

 

Prof. Dr. Sebastian Nordmann, Intendant des Konzerthauses Berlin:

Wenn der Musikunterricht vom Pflicht- zum Wahlfach wird, werden die Musiklehrer als Ansprechpartner für das Konzerthaus Berlin fehlen. Wir können nur Projektarbeit über einen bestimmten Zeitraum leisten, die Schulen müssen die Grundlage über das ganze Jahr hinweg legen. Wer denkt, gerade hier in Berlin, an die integrative Kraft der Musik, die über 750.000 Migranten eine Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Diskurs bieten könnte? Diese Fragen müssen wir gemeinsam mit den politisch Verantwortlichen angehen. Wir unterstützen als Partner deshalb nachdrücklich die Kampagne "Ohne Musik keine Bildung".

 

Pamela Rosenberg, Intendantin der Berliner Philharmoniker:

Den Berliner Philharmonikern ist die Musikvermittlung ein wichtiges Anliegen. Dabei geht es nicht nur um die Förderung des Publikumsnachwuchses, sondern vor allem um den Zugang zur Musik für alle Kinder und Jugendlichen, um so die eigene Identität erfahren zu können. Wir gratulieren dem Deutschen Musikrat zu dem von ihm verantworteten Tag der Musik und engagieren uns als Partner für die Kampagne "Ohne Musik keine Bildung".

 

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates:

In Zeiten dramatischer Unterversorgung im kulturellen Bildungsbereich ist es dringend geboten, mit Kampagnen wie "Ohne Musik keine Bildung" und Tag der Musik einer qualitativen sowie quantitativen Abwärtstrendwende zu begegnen. Der Deutsche Kulturrat unterstützt ausdrücklich die Ziele dieser Kampagnen.

 

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