Musikpolitik

Grünbuch "Was ist uns die Musik wert? Öffentliche Förderung in der Diskussion"

Mit dem Grünbuch „Was ist uns die Musik wert? Öffentliche Förderung in der Diskussion“ hat der Deutsche Musikrat einen breit angelegten öffentlichen und politischen Diskussionsprozess zur Zukunft der öffentlichen Musikförderung in Deutschland initiiert. Das Grünbuch richtet sich an politische Entscheidungsträger aller föderalen Ebenen, zivilgesellschaftliche Institutionen, Kultureinrichtungen und -Akteure sowie die musikinteressierte Öffentlichkeit.

Ziel des Grünbuches ist es, vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Veränderungen die Bedeutung der öffentlichen Musikförderung für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken sowie Fragen und Positionen zur öffentlichen Musikförderung zu bündeln.

Der Deutsche Musikrat ruft alle politischen Entscheidungsträger, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Kultureinrichtungen und -Akteure sowie die musikinteressierte Öffentlichkeit auf, sich anhand des Fragekataloges an der Diskussion zu beteiligen.

Die pdf-Version des Grünbuches finden Sie hier.

Stellungnahmen

Nachfolgend finden Sie einige Stellungnahmen zum Grünbuch des Deutschen Musikrates:

Fragenkatalog

Im Folgenden sind zahlreiche Leitfragen zur Ausgestaltung der öffentlichen und politischen Diskussion formuliert.

a. Allgemein

  1. Welchen Stellenwert nimmt Musik im öffentlichen und politischen Bewusstsein ein?
  2. Welche Rolle spielt die öffentliche Musikförderung für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft?
  3. Wie sieht zukünftig eine erfolgreiche und realisierbare öffentliche Musikförderung aus? 
  4. Welche Maßnahmen müssen zur Änderung der politischen Rahmenbedingungen umgesetzt werden (z.B. Aufhebung des so genannten Kooperationsverbotes)? 
  5. Ist eine Unterteilung in Projektförderung und institutionelle Förderung noch zeitgemäß?
  6. Wie sieht die ideale Beteiligung des Bundes an öffentlicher Musikförderung aus?
  7. Wie muss das Verhältnis zwischen Bund, Ländern und Kommunen gestaltet werden, damit der Anspruch aus der Koalitionsvereinbarung „Kultur für alle“ realisiert werden kann?
  8. Wie können Kommunen dauerhaft in die Lage versetzt werden, die bildungskulturellen Einrichtungen, wie z.B. Orchester, Theater und Musikschulen, vor Ort adäquat finanziell auszustatten? 
  9. Welche Gesetzesänderungen sind von Seiten des Bundes und der Länder notwendig? 
  10. Welche Unterstützung sollen zivilgesellschaftliche Organisationen für die kommunale Kulturarbeit leisten?

b. Kulturelle Vielfalt

11.    Wie kann die Umsetzung der UNESCO-Konvention zum Schutz und zur Förderung der Kulturellen Vielfalt politisch und zivilgesellschaftlich erfolgreicher gestaltet werden?
12.    Welche Maßnahmen sind nötig, um die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen bis in die regionalen Ebenen hinein zu schützen und zu fördern?
13.    Welche politischen Maßnahmen müssen auf Bundesebene realisiert werden, um die Kulturelle Vielfalt in unserem Land dauerhaft zu sichern und zu fördern?
14.    Welche Impulse setzt der Bund bereits mit Projekten und Initiativen und wie sollten diese ausgebaut werden?
15.    Ist die Definition des Deutschen Musikrates von Kultureller Vielfalt zutreffend? Falls nein, welche Ergänzungen bzw. Änderungen gibt es?
16.    Wie kann die umfassende Definition von Kultureller Vielfalt und deren Bedeutung besser im öffentlichen Bewusstsein verankert werden?
17.    Welche Positivbeispiele gibt es in den Ländern und Kommunen für die Förderung unterschiedlicher Musikstile und Musikgenres (Klassik, Neue Musik, Jazz, Rock, Pop, World Music etc.)?
18.    Welche Negativbeispiele liegen vor? Wie sind diese begründet und wie können sie behoben werden?

c. Musikalische Bildung

19.    Wie kann dem überdurchschnittlich hohen Ausfall bzw. fachfremd erteilten Musikunterricht an Schulen entgegen gewirkt werden?
20.    Wie kann der Fachunterricht in Musik an der allgemein bildenden Schule in der Stundentafel fest verankert werden?
21.    Wie können Eltern, Lehrer, Schulleiter sowie Kommunal- und Landespolitiker davon überzeugt werden, dass Musik kein Orchideenfach, sondern essenzieller Bestandteil der allgemeinen Bildung und Grundlage für eine ganzheitliche Identitätsentwicklung ist?
22.    Welche politischen Maßnahmen sind nötig, um die Zusammenarbeit der Kommunen, Länder und des Bundes im Bildungsbereich zu optimieren?
23.    Wie können Kooperationen zwischen schulischen und außerschulischen Bildungsträgern intensiviert werden? Welche ordnungspolitischen Schranken müssen überwunden werden?
24.    Wie können Kooperationen mit Kindertagesstätten, Schulen etc. realisiert werden, ohne dass dabei die unverzichtbare musikalische Individualbildung vernachlässigt wird?
25.    Wie kann die weitere Erosion der Grundfinanzierung von Musikhochschulen verhindert werden?
26.    Wie werden die Musikhochschulen in die Lage gesetzt, weiterhin eine qualifizierte Ausbildung für künstlerische und nicht-künstlerische Musikberufe zu garantieren und auf Veränderungen in der Bildungslandschaft zu reagieren?
27.    Wie kann der zunehmenden Verdichtung des Lebensalltages von Kindern und Jugendlichen entgegen gewirkt werden?
28.    Wie können sich Eltern, Schüler, Lehrer und Politiker zu dieser Herausforderung besser vernetzen?
29.    Welche Maßnahmen der Förderung von Kindern im Anschluss an Musikalisierungsprojekte wie „Jedem Kind ein Instrument“ oder „Kultur macht stark“ und Maßnahmen der Begabtenförderung sind realisierbar?
30.    Wie kann eine flächendeckende Musikalische Bildung in Deutschland gewährleistet werden?
31.    Welche Herausforderungen gibt es in den ländlichen Regionen und wie ist diesen zu begegnen?
32.    Inwiefern können Vereine vermehrt zur bildungskulturellen Infrastruktur beitragen?

d. Kulturelle Infrastruktur

33.    Wie können die Orchester- und Theaterlandschaft sowie die öffentlichen Musikschulen in Deutschland gesichert werden? Welche Maßnahmen wurden ggf. bereits eingeleitet? Welche Finanzierungsmodelle gibt es?
34.    Wie wichtig ist die Verzahnung der professionellen und Laienmusikszene für die Sicherung beider Bereiche?
35.    Welche Rolle spielen Kulturangebote für die Kommunalpolitik? Welche Herausforderungen gibt es bezüglich der Sicherung dieser Angebote? Welche Unterstützung wünschen sich Kommunalpolitiker von Seiten der Zivilgesellschaft?
36.    Wie kann eine Ausgewogenheit zwischen Angeboten des kulturellen Erbes, der zeitgenössischen künstlerischen Ausdrucksformen und der Kulturen anderer Länder in unserem Land hergestellt werden?
37.    Wie kann die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks noch mehr im öffentlichen Bewusstsein verankert werden?
38.    Welche Rolle spielt der öffentlich-rechtliche Rundfunk für die Kulturarbeit auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene?
39.    Welcher Vermittlungsarbeit bedarf es auf politischer Seite, um den Bürgern die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks klar zu machen und damit die Existenzberechtigung des Rundfunkbeitrages zu verdeutlichen?

e. Ehrenamt

40.    Welche politischen Maßnahmen können zur Stärkung des Ehrenamtes beitragen?
41.    Welche Rahmenbedingungen werden benötigt, um Bürgerschaftliches Engagement optimal zu fördern? Welche bürokratischen Hürden müssen abgebaut werden und wie?
42.    Wie eng ist das Laienmusizieren mit dem Bildungsbereich verzweigt? Welche Maßnahmen zur Optimierung sind hierbei nötig?
43.    Wie stark hängt die kommunale Kulturarbeit von ehrenamtlich organisierten kulturellen Angeboten ab?
44.    Wie eng ist die Verzahnung von öffentlich finanzierten und ehrenamtlich organisierten Angeboten?

f. Soziale Sicherung in den Musikberufen

45.    Wie kann der zunehmenden Prekarisierung in den künstlerischen und nicht-künstlerischen Musikberufen entgegen gewirkt werden?
46.    Wie können Arbeit- bzw. Auftraggeber in die Lage versetzt werden, angemessene Vergütungen zu zahlen bzw. dauerhafte soziale Absicherungen zu gewährleisten?
47.    Wie kann im Bereich der Theater und Orchester eine Rückkehr von Haustarifverträgen zum Flächentarif erreicht werden?
48.    Wie können die Bedeutung der Künstlersozialkasse und deren dringend notwendige Existenz in den Köpfen der Politiker verankert werden?
49.    Wie kann eine langfristige und lückenlose Überprüfung KSK-abgabepflichtiger Unternehmen realisiert werden?
50.    Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, um den in der Künstlersozialkasse versicherten Freiberuflern den Zugang zu Leistungen der Agentur für Arbeit, insbesondere in den Bereichen Arbeitsvermittlung, Fort- und Weiterbildung sowie Anpassungsqualifizierung, zu ermöglichen (zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit und im weiteren Sinne zur Vermeidung von Altersarmut)?
51.    Welche Rolle spielt die soziale Absicherung von Musikern in Zusammenhang mit der Sicherung der kulturellen Infrastruktur in ländlichen Regionen?
52.    Welche Herausforderungen gibt es speziell in den ländlichen Regionen, um die Existenz von Musikausübenden zu sichern?

g. Digitaler Wandel und Urheberrecht

53.    Wie kann ein gesellschaftliches Umdenken vollzogen werden, dass Musik nicht einfach kostenfrei herunter geladen werden kann?
54.    Welche Maßnahmen sind nötig, um bereits Kinder und Jugendliche erfolgreich für den Wert von Musik zu sensibilisieren? Welche Rolle spielen Eltern und Lehrer dabei?
55.    Welche Anforderungen bestehen hinsichtlich des 3. Korbes des Urheberrechtsgesetzes?
56.    Welche Rolle werden Verwertungsgesellschaften zukünftig in Bezug auf die Existenzsicherung der Urheber spielen?
57.    Wie kann den Herausforderungen auf europäischer und internationaler Ebene begegnet werden?
58.    Wie sollten ausgewogene Schrankenregelungen gestaltet sein?
59.    Welche alternativen Vergütungsmodelle gibt es für Urheber; welche sind zukunftsfähig?
60.    Wie können digitale Medien zur Gewährleistung der kulturellen Teilhabe beitragen und gleichzeitig die Urheber sozial absichern?
61.    Welche funktionierenden Multimedia-Angebote im Bereich Bildung und Musik gibt es bereits und wie können diese ggf. ausgeweitet werden?

h. Demografischer Wandel

62.    Welche erfolgreichen Angebote im Bereich Musik und Alter gibt es auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene? Wie können diese ausgeweitet werden?
63.    Wie reagieren Verlage, Musikschulen, Musikhochschulen und andere Kultureinrichtungen auf die Herausforderungen des Demografischen Wandels? Welche Angebote gibt es bereits im Bereich des Laienmusizierens?
64.    Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen für ältere Menschen und Kulturinstitutionen intensiviert werden? Welche Rahmenbedingungen sind dafür nötig?
65.    Welche kommunalpolitischen Schritte müssen eingeleitet werden, um Musizieren in Altersheimen und ähnlichen Einrichtungen durchgängig möglich zu machen?
66.    Welche politischen Maßnahmen sind nötig, um das aktive Musizieren im Alter und die kulturelle Teilhabe zu ermöglichen?
67.    Wie kann der Herausforderung der zunehmenden Altersarmut hierbei begegnet werden?
68.    Wie kann Kulturpolitik den Abwanderungswellen in den ländlichen Regionen entgegen wirken?